Wächst mein Kind normal?
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Wachstumskurve & Entwicklung
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Wie wird ein Wachstumshormonmangel festgestellt? Therapie, Spritzenangst, Alltagsfragen.
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Turner-Syndrom, SHOX-Defekt, SGA, Achondroplasie, XLH – verständlich erklärt für Familien.
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Krankheitsbilder verständlich erklärt
Von seltenen Syndromen bis zu häufigen Wachstumsstörungen — für Eltern, nicht für Ärzte geschrieben.
Ein Wachstumshormonmangel entsteht, wenn die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) nicht genug Wachstumshormon produziert. Betroffene Kinder wachsen deutlich langsamer als Gleichaltrige, haben aber meist normale Proportionen.
Typische Zeichen: Wachstumsgeschwindigkeit unter 4–5 cm/Jahr, Wachstumskurve fällt unter die 3. Perzentile, Knochenalter verzögert. Diagnose durch Stimulationstest und MRT der Hypophyse.
Therapie: Tägliche Injektion von rekombinantem Wachstumshormon (rhGH), meist bis zum Wachstumsabschluss. Bei frühem Beginn sind deutliche Größengewinne möglich.
Das Turner-Syndrom (Ullrich-Turner-Syndrom, UTS) betrifft Mädchen und entsteht durch das vollständige oder teilweise Fehlen eines X-Chromosoms. Kleinwuchs ist das häufigste und oft erste Zeichen — häufig schon im Mutterleib erkennbar.
Wachstum: Ohne Behandlung erreichen Mädchen mit Turner-Syndrom im Mittel nur 143–147 cm. Mit Wachstumshormontherapie sind zusätzlich 5–8 cm möglich. Für die Verlaufskontrolle werden UTS-spezifische Perzentilenkurven verwendet.
Begleitende Aspekte: Herzfehler (Aortenisthmusstenose), Nierenfehlbildungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen und Fertilitätsfragen sollten regelmäßig mitbetreut werden.
Mutationen im SHOX-Gen (Short Stature Homeobox Gene) sind eine der häufigsten genetischen Ursachen für Kleinwuchs. Das Gen ist für das Knochenwachstum, besonders der Arme und Beine, wichtig.
Häufigkeit: Etwa 1 von 1.000–2.000 Kindern — damit häufiger als viele denken. Mädchen sind stärker betroffen als Jungen. Typisch sind verkürzte Unterarme und -schenkel (Mesomelie) sowie gelegentlich eine Madelung-Deformität des Handgelenks.
Therapie: Wachstumshormontherapie ist bei SHOX-Defekt zugelassen und kann die Endgröße deutlich verbessern.
SGA (Small for Gestational Age) bezeichnet Kinder, die bei der Geburt für ihr Gestationsalter zu klein oder zu leicht waren (Geburtsgröße oder -gewicht unter der 3. Perzentile nach Voigt-Referenz). Die meisten holen Wachstum in den ersten 2 Jahren auf — aber etwa 10–15 % nicht.
Wann handeln: Wenn ein SGA-Kind mit 4 Jahren noch keine normale Wachstumsgeschwindigkeit erreicht hat, sollte eine Vorstellung beim Kinderendokrinologen erfolgen. Wachstumshormontherapie ist ab dem 4. Lebensjahr zugelassen.
Das Prader-Willi-Syndrom (PWS) ist eine angeborene genetische Erkrankung, bei der ein Bereich auf Chromosom 15 (Region 15q11–q13) vom Vater fehlt oder nicht aktiv ist. Charakteristisch sind niedriger Muskeltonus im Säuglingsalter, eine später einsetzende ausgeprägte Esslust (Hyperphagie), Neigung zu Übergewicht sowie ein verändertes Wachstum mit relativem Kleinwuchs.
Wachstum: Kinder mit PWS folgen einer eigenen Wachstumskurve — eine Beurteilung anhand normaler Perzentilen allein wird dem Syndrom nicht gerecht. Deshalb werden PWS-spezifische Referenzwerte (Wollmann 1998) verwendet. Der pubertäre Wachstumsschub bleibt meist aus.
Therapie: Wachstumshormontherapie (rhGH) ist bei PWS etabliert und kann Längenwachstum, Körperzusammensetzung und Muskeltonus günstig beeinflussen. Der Beginn erfolgt früh und unter spezialisierter Betreuung — vor Therapiestart sind Untersuchungen von Atmung/Schlaf, Skelett und Stoffwechsel wichtig.
Das Noonan-Syndrom ist eine genetisch bedingte Erkrankung (meist Mutation im PTPN11-Gen) aus der Gruppe der RASopathien. Typisch sind charakteristische Gesichtszüge, angeborene Herzfehler und Kleinwuchs.
Wachstum: Betroffene Kinder wachsen langsamer als Gleichaltrige; für die Verlaufskontrolle werden Noonan-spezifische Wachstumskurven verwendet. Ohne Therapie liegt die mittlere Endgröße bei Jungen um 162 cm, bei Mädchen um 152 cm.
Therapie: Wachstumshormontherapie ist bei Noonan-Syndrom zugelassen und kann die Endgröße um mehrere Zentimeter verbessern. Herzfehler müssen vorher sorgfältig evaluiert werden.
Achondroplasie ist die häufigste Form des dysproportionierten Kleinwuchses (ca. 1:15.000–1:25.000 Geburten). Sie wird durch eine Mutation im FGFR3-Gen verursacht und betrifft das Knochenwachstum der langen Röhrenknochen — Arme und Beine bleiben kürzer, der Rumpf ist normal lang.
Therapie: Seit 2021 ist Vosoritid (Voxzogo®) für Kinder ab 5 Jahren zugelassen — der erste krankheitsmodifizierende Therapieansatz, der die Wachstumsrate deutlich verbessert. Weitere Wirkstoffe sind in klinischer Entwicklung.
XLH (X-linked Hypophosphatemia, Phosphatdiabetes) ist eine seltene X-chromosomale Stoffwechselerkrankung, die zu Knochenschwäche (Rachitis), Schmerzen, Zahnproblemen und Kleinwuchs führt. Sie wird durch Mutationen im PHEX-Gen verursacht, die zu einem Überschuss an FGF23 führen.
Häufigkeit: Etwa 1:20.000. Die Erkrankung kann in der Familie vererbt werden, aber auch spontan auftreten.
Behandlung: Burosumab (Crysvita®) ist seit 2018 in der EU für Kinder ab 1 Jahr zugelassen und hat die Behandlung grundlegend verändert — von der symptomatischen Phosphatsubstitution hin zur Ursachenbehandlung.
Das Silver-Russell-Syndrom (SRS) ist eine seltene genetische Wachstumsstörung, die durch Störungen der genomischen Prägung (Imprinting) auf Chromosom 11 oder 7 verursacht wird. Betroffene Kinder sind bereits bei der Geburt deutlich kleiner als erwartet (SGA) und holen kaum auf.
Typische Merkmale: Ausgeprägte pränatale und postnatale Wachstumsretardierung, relative Makrozephalie, dreieckiges Gesicht, Körperseitenungleichheit (Hemihypotrophie) und Schwierigkeiten beim Essen im Säuglingsalter.
Therapie: Wachstumshormontherapie ist zugelassen und wirksam. SRS-spezifische Wachstumskurven (SRS-Referenzen) sollten für die Verlaufskontrolle verwendet werden.
Die konstitutionelle Entwicklungsverzögerung (KEV) ist die häufigste Ursache für Kleinwuchs und verzögerte Pubertät bei sonst gesunden Kindern. Das Knochenalter ist deutlich hinter dem Lebensalter zurück — das Kind wächst langsamer, aber länger.
Wichtig zu wissen: Bei KEV ist keine Behandlung notwendig — die Kinder erreichen ihre genetisch vorgegebene Zielgröße, nur etwas später als Gleichaltrige. Häufig gibt es betroffene Eltern oder Geschwister mit ähnlichem Muster.
Abgrenzung: Eine sorgfältige Diagnostik ist wichtig, um eine KEV von behandelbaren Ursachen (Wachstumshormonmangel, SHOX-Defekt u.a.) zu unterscheiden.
Hypophosphatasie (HPP) ist eine seltene genetische Stoffwechselerkrankung durch Mutationen im ALPL-Gen. Das betroffene Enzym (alkalische Phosphatase) ist für die Mineralisation von Knochen und Zähnen unverzichtbar — bei HPP ist es vermindert oder nicht funktionsfähig.
Wichtigstes Warnsignal: Verlust von Milchzähnen vor dem 5. Lebensjahr ohne Karies oder Trauma. Ein erniedrigter AP-Wert im Blut ist der entscheidende Laborhinweis.
Therapie: Asfotase alfa (Strensiq®) ist seit 2015 als Enzymersatztherapie zugelassen und hat die Prognose schwerer HPP-Formen grundlegend verändert.
Vitamin-D-Mangel ist die häufigste Ursache für Rachitis bei Kindern — und gleichzeitig gut vermeidbar. Vitamin D steuert die Kalzium- und Phosphataufnahme und ist für die Mineralisation von Knochen unverzichtbar.
Typische Zeichen: O-Beine, verdickte Handgelenke, verzögerte motorische Entwicklung, Muskelschwäche. Bei Säuglingen: Hypocalzämische Krampfanfälle möglich.
Prophylaxe ab Geburt: Alle Säuglinge sollten 400–500 IE Vitamin D täglich erhalten. Behandlung mit höherdosierten Präparaten unter ärztlicher Kontrolle.
Osteogenesis imperfecta (OI) ist eine genetische Erkrankung des Bindegewebes durch Defekte im Kollagen Typ I (COL1A1/COL1A2-Gene). Betroffene Kinder haben brüchige Knochen, häufige Frakturen und — bei mittelschweren bis schweren Formen — ausgeprägten Kleinwuchs.
Typische Zeichen: Wiederkehrende Frakturen bei minimalen Traumata, blaue Skleren (bläuliche Augenweiße), Dentinogenesis imperfecta, Schwerhörigkeit im Verlauf.
Therapie: Bisphosphonate (Pamidronat, Zoledronat) sind Standardtherapie. Neue Ansätze (Setrusumab) befinden sich in klinischer Erprobung.
Häufige Fragen von Eltern
Die Fragen, die wir am meisten hören — und unsere Antworten.
Wann sollte ich mit meinem Kind zum Kinderendokrinologen?
Wenn Ihr Kind unterhalb der 3. Längenperzentile liegt, wenn die Wachstumsgeschwindigkeit unter 4 cm/Jahr fällt (nach dem 3. Lebensjahr), oder wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt — dann ist eine Vorstellung sinnvoll. Früh zum Arzt ist nie falsch.
Was bedeutet die 3. Perzentile?
Die 3. Perzentile bedeutet, dass 97 % der Kinder gleichen Alters und Geschlechts größer sind. Das ist nicht automatisch krankhaft — aber ein Wert, bei dem genauer hingeschaut werden sollte, besonders wenn er sich über Zeit verändert.
Ist Kleinwuchs immer behandelbar?
Nicht jede Form von Kleinwuchs erfordert Behandlung, und nicht alle profitieren gleich stark. Ob eine Therapie sinnvoll ist, hängt von der Ursache, dem Knochenalter und dem zu erwartenden Wachstumspotenzial ab — das bewertet ein Spezialist.
Wie wird Wachstumshormonmangel festgestellt?
Durch eine Kombination aus Wachstumskurve, Knochenalter (Röntgen der Hand), Bluttests und — wenn nötig — einem Wachstumshormon-Stimulationstest. Außerdem oft eine MRT der Hypophyse.
Können Wachstumshormone gefährlich sein?
Wachstumshormontherapie ist seit Jahrzehnten gut untersucht und gilt bei korrekter Indikation als sicher. Mögliche Nebenwirkungen (z.B. Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen) sind in der Regel mild. Ihr Arzt überwacht die Therapie regelmäßig.
Was ist der Unterschied zwischen Größen- und Wachstumsperzentile?
Die Größenperzentile sagt, wo Ihr Kind gerade steht. Die Wachstumsgeschwindigkeit (cm/Jahr) sagt, ob es sich in die richtige Richtung bewegt. Beides zusammen ist entscheidend — ein Kind auf der 5. Perzentile, das stabil wächst, ist anders zu bewerten als eines, das von der 50. auf die 10. fällt.