Was ist das Prader-Willi-Syndrom?

Das Prader-Willi-Syndrom (PWS) ist eine angeborene genetische Erkrankung, bei der ein Bereich auf dem väterlichen Chromosom 15 (Region 15q11–q13) fehlt oder nicht aktiv ist. Es sind drei genetische Mechanismen bekannt: paternale Deletion (häufigste, ca. 70 %), maternale Disomie (ca. 25 %) und Imprinting-Defekt (ca. 5 %).

Typischer Verlauf

SäuglingsalterNiedriger Muskeltonus (Hypotonie), Trinkschwäche, Gedeihstörung
1.–3. LebensjahrWachstum verlangsamt, motorische Entwicklungsverzögerung
Ab ca. 2–4 JahrenZunehmende Esslust (Hyperphagie), Gewichtszunahme
SchulalterKleinwuchs, fehlender Wachstumsschub, Lernbesonderheiten
PubertätUnvollständige Pubertät, pubertärer Wachstumsschub meist ausbleibend
⚠️ Eigene Wachstumskurven notwendig

Kinder mit PWS folgen ihrem eigenen Wachstumsmuster. Normale Perzentilenkurven allein sind nicht ausreichend — es sollten PWS-spezifische Referenzwerte (Wollmann 1998) verwendet werden.

Wachstumshormontherapie bei PWS

Wachstumshormontherapie (rhGH) ist bei PWS gut etabliert und geht über das reine Längenwachstum hinaus:

  • Längenwachstum: Verbesserung der Wachstumsrate und Endgröße
  • Körperzusammensetzung: Reduktion des Körperfettanteils, Aufbau von Muskelmasse
  • Muskeltonus: Günstige Wirkung auf Motorik und Kraft
  • Kognition & Verhalten: Positive Effekte möglich
Vor Therapiebeginn prüfen

Vor Beginn und im Verlauf der Wachstumshormontherapie sind folgende Untersuchungen wichtig: Schlaf-/Atemdiagnostik (Polysomnographie), Skelett (Skoliose), Stoffwechsel (Nüchternglukose, HbA1c) und Augenärztliche Untersuchung.

Begleitende Aspekte

  • Ernährungsmanagement: Strukturierte Mahlzeiten, Zugang zu Nahrung kontrollieren — Hyperphagie ist eine Kernsymptomatik
  • Verhaltensbesonderheiten: Rigidität, Stimmungsschwankungen, zwanghaftes Verhalten
  • Schlaf: Obstruktive Schlafapnoe häufig — Abklärung vor GH-Therapie essenziell
  • Skoliose: Regelmäßige Kontrolle, besonders unter Wachstumshormontherapie
Prader-Willi-SyndromPWSChromosom 15HyperphagieWachstumshormon PWSPWS-Kurven