Was ist ein Wachstumshormonmangel?
Das Wachstumshormon (Somatotropin, GH) wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert und ist für das Längenwachstum von Kindern unverzichtbar. Beim Wachstumshormonmangel (GHD, Growth Hormone Deficiency) produziert die Hypophyse zu wenig davon — entweder weil sie strukturell verändert ist, oder aus unbekannter Ursache.
Wachstumshormonmangel ist gut behandelbar. Mit frühzeitiger Therapie können betroffene Kinder eine normale oder nahezu normale Endgröße erreichen.
Wie erkenne ich einen Wachstumshormonmangel?
Ein GHD fällt meist durch langsames Wachstum auf. Typische Zeichen:
- Wachstumsgeschwindigkeit unter 4–5 cm/Jahr (nach dem 3. Lebensjahr)
- Wachstumskurve fällt zunehmend unter die 3. Perzentile
- Knochenalter deutlich hinter dem Lebensalter zurück
- Charakteristisches Erscheinungsbild: rundliches Gesicht, kindliche Proportionen
- Häufig erhöhter Körperfettanteil, verminderte Muskulatur
Wie wird die Diagnose gestellt?
| Wachstumskurve | Verlauf unterhalb P3, abfallende Kurve |
| Knochenalter | Röntgen der linken Hand (Greulich-Pyle) |
| Blutbild | IGF-1, IGFBP-3 als Screening-Werte |
| Stimulationstest | GH-Provokationstest (Insulin, Arginin oder Clonidin) |
| MRT | Bildgebung der Hypophyse zum Ausschluss struktureller Ursachen |
Ein einmal gemessener niedriger GH-Wert reicht für die Diagnose nicht aus. Es sind in der Regel zwei unabhängige Stimulationstests notwendig.
Behandlung: Wachstumshormontherapie
Die Therapie erfolgt mit rekombinantem humanem Wachstumshormon (rhGH), das täglich per Injektion unter die Haut (subkutan) gegeben wird — meist abends. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht bzw. der Körperoberfläche und wird regelmäßig angepasst.
- Beginn: So früh wie möglich nach gesicherter Diagnose
- Dauer: Bis zum Wachstumsabschluss (Knochenalter ca. 14–16 J. bei Mädchen, 16–18 J. bei Jungen)
- Kontrollen: Alle 3–6 Monate beim Kinderendokrinologen
- Wachstumsgewinn: Im Mittel 1–2 Zusatzjahre Wachstum, typischerweise 4–8 cm mehr Endgröße
Umgang mit Spritzenangst
Viele Eltern und Kinder haben anfangs Angst vor den täglichen Injektionen. Moderne Injektionsstifte (Pens) sind nahezu schmerzlos. Die meisten Kinder gewöhnen sich innerhalb weniger Wochen daran. Ihr Behandlungsteam unterstützt Sie dabei.
CareFlix.growth unterstützt Familien bei der Therapiebegleitung (Adhärenz). Sprechen Sie Ihren Kinderendokrinologen auf digitale Begleitprogramme an.