Was ist ein Wachstumshormonmangel?

Das Wachstumshormon (Somatotropin, GH) wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert und ist für das Längenwachstum von Kindern unverzichtbar. Beim Wachstumshormonmangel (GHD, Growth Hormone Deficiency) produziert die Hypophyse zu wenig davon — entweder weil sie strukturell verändert ist, oder aus unbekannter Ursache.

✅ Gute Nachricht

Wachstumshormonmangel ist gut behandelbar. Mit frühzeitiger Therapie können betroffene Kinder eine normale oder nahezu normale Endgröße erreichen.

Wie erkenne ich einen Wachstumshormonmangel?

Ein GHD fällt meist durch langsames Wachstum auf. Typische Zeichen:

  • Wachstumsgeschwindigkeit unter 4–5 cm/Jahr (nach dem 3. Lebensjahr)
  • Wachstumskurve fällt zunehmend unter die 3. Perzentile
  • Knochenalter deutlich hinter dem Lebensalter zurück
  • Charakteristisches Erscheinungsbild: rundliches Gesicht, kindliche Proportionen
  • Häufig erhöhter Körperfettanteil, verminderte Muskulatur

Wie wird die Diagnose gestellt?

WachstumskurveVerlauf unterhalb P3, abfallende Kurve
KnochenalterRöntgen der linken Hand (Greulich-Pyle)
BlutbildIGF-1, IGFBP-3 als Screening-Werte
StimulationstestGH-Provokationstest (Insulin, Arginin oder Clonidin)
MRTBildgebung der Hypophyse zum Ausschluss struktureller Ursachen
⚠️ Wichtig

Ein einmal gemessener niedriger GH-Wert reicht für die Diagnose nicht aus. Es sind in der Regel zwei unabhängige Stimulationstests notwendig.

Behandlung: Wachstumshormontherapie

Die Therapie erfolgt mit rekombinantem humanem Wachstumshormon (rhGH), das täglich per Injektion unter die Haut (subkutan) gegeben wird — meist abends. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht bzw. der Körperoberfläche und wird regelmäßig angepasst.

  • Beginn: So früh wie möglich nach gesicherter Diagnose
  • Dauer: Bis zum Wachstumsabschluss (Knochenalter ca. 14–16 J. bei Mädchen, 16–18 J. bei Jungen)
  • Kontrollen: Alle 3–6 Monate beim Kinderendokrinologen
  • Wachstumsgewinn: Im Mittel 1–2 Zusatzjahre Wachstum, typischerweise 4–8 cm mehr Endgröße

Umgang mit Spritzenangst

Viele Eltern und Kinder haben anfangs Angst vor den täglichen Injektionen. Moderne Injektionsstifte (Pens) sind nahezu schmerzlos. Die meisten Kinder gewöhnen sich innerhalb weniger Wochen daran. Ihr Behandlungsteam unterstützt Sie dabei.

💡 Tipp

CareFlix.growth unterstützt Familien bei der Therapiebegleitung (Adhärenz). Sprechen Sie Ihren Kinderendokrinologen auf digitale Begleitprogramme an.

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